Bereits mit dem Augenblick der Befruchtung steht fest, ob sich ein männlicher oder ein weiblicher Embryo entwickelt. Denn das Geschlecht des Kindes hängt von der Kombination der zwei Geschlechtschromosomen ab, die es von Mutter und Vater erhält. Wenn sich Eizelle und Spermium vereinigen, entsteht ein Keim, der alle Informationen für das neue Leben enthält. Das heranreifende Ei im Körper der Frau trägt immer ein X-Chromosom; die Spermien des Mannes transportieren entweder ein X- oder ein Y-Chromosom – jeweils zu etwa 50 Prozent. Man könnte auch sagen, es gibt „weibliche“ und „männliche“ Spermien. Befruchtet ein X-Spermium die Eizelle, werden die Eltern eine kleine Tochter bekommen; verbindet sich das Ei mit einem Y-Samen, wird ein Junge das Licht der Welt erblicken.
Die Weichen sind gestellt
Etwa 16 bis 18 Stunden nach der Empfängnis beginnt die Eizelle, sich das erste Mal zu teilen – zunächst einmal, dann noch einmal – und in den folgenden Stunden und Tagen teilen sich diese Zellen viele weitere Male: der Embryo entwickelt sich. Bis zur vierten Schwangerschaftswoche entstehen bereits Gehirn, Nerven, Herz, Kreislauf, Leber und die Nabelschnur. Bis zu diesem Zeitpunkt spielt das Geschlecht des Embryos noch keine Rolle. Doch all seine Zellen tragen bereits die gleiche und das Geschlecht bestimmende Chromosomeninformation: die XX-Kombination für ein Mädchen, XY für einen Jungen.
XY - ein Junge
Nur ein bestimmtes Gen auf dem Y-Chromosom sorgt dafür, das sich aus dem Embryo ein Junge entwickelt – das SRY-Gen. Es steht für Sex determinierende Region auf dem Y-Chromosom. Darüber, was dieses SRY-Gen allerdings genau bewirkt, um die männliche Entwicklung in Gang zu setzen, sind sich Wissenschaftler noch nicht einig. Fest steht aber: durch seine Information beginnt der kleine Körper etwa in der sechsten Woche die Hoden auszubilden. Bereits eine Woche später verteilt sich von den Hoden aus das männliche Hormon Testosteron im Körper des Kindes. Es bewirkt beim heranwachsenden Baby, dass nach und nach die äußeren Geschlechtsmerkmale wie Hodensack und Penis und die inneren Genitalien wie Samenblase, Samenleiter und Prostata entstehen.